
Wie verändert ein Tiny Forest sein unmittelbares Umfeld? Welche mikroklimatischen Unterschiede lassen sich gegenüber versiegelten Flächen messen? Und wie können Sensordaten helfen, diese Entwicklung sichtbar zu machen? Diesen Fragen widmet sich seit März 2024 das Reallabor Tiny Forest Lindenhof im Mannheimer Stadtteil Lindenhof.
Der auf den ersten Blick wie eine grüne Insel wirkende Miniwald ist zugleich ein Praxislabor für klimaresiliente Stadtentwicklung. Ein Netzwerk aus Sensoren erfasst kontinuierlich Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Wind sowie Bodenfeuchte und Bodentemperatur, um die Entwicklung des jungen Waldes und seine Auswirkungen auf das lokale Mikroklima wissenschaftlich zu dokumentieren.
Das Mikroklima im Blick
Die Messdaten zeigen, wie der junge Wald mit seiner Umgebung interagiert. Sie machen sichtbar, wie stark Hitzeperioden abgepuffert werden, wie lange Wasser im Boden verfügbar bleibt und welche Unterschiede gegenüber benachbarten versiegelten Flächen entstehen. Damit bilden sie die Grundlage für die wissenschaftliche Begleitung der Standortentwicklung.
Der Hitzetest: Wald gegen Asphalt
Ein für die Bürger*innen einsehbares Dashboard vergleicht die Oberflächen- und Lufttemperaturen im Tiny Forest mit denen benachbarter versiegelter Flächen. Da sich Asphalt und Beton deutlich stärker aufheizen als begrünte Flächen, eignet sich insbesondere die Oberflächentemperatur zur Bewertung städtischer Hitzeinseln. Das Dashboard macht die kühlende Wirkung von Beschattung und Verdunstung anschaulich und liefert belastbare Daten zum klimatischen Nutzen von Entsiegelungs- und Begrünungsmaßnahmen.
Wann braucht der Tiny Forest Wasser?
Gerade in den ersten Jahren benötigt ein Tiny Forest eine gezielte Bewässerung. Hierfür wurde ein Dashboard für die Bürger-Interessen-Gemeinschaft entwickelt, das anhand der Bodenfeuchte in ca. 30 und ca. 60 Zentimetern Tiefe anzeigt, wann eine Bewässerung erforderlich ist.
Während die Messung in 30 Zentimetern Tiefe die aktuelle Wasserversorgung im Wurzelbereich abbildet, zeigt die Messung in 60 Zentimetern, ob auch tiefere Bodenschichten ausreichend mit Feuchtigkeit versorgt sind. Das ist entscheidend für die Entwicklung eines tiefreichenden Wurzelsystems, das den Wald langfristig widerstandsfähiger gegenüber Trockenperioden macht. So kann bedarfsgerecht statt vorsorglich bewässert werden – das spart Wasser und fördert die Entwicklung eines resilienten Waldes.
Zwei Jahre Reallabor: eine erste Bilanz
Wir haben mit Uwe Buckenauer, Vorstandsmitglied der Bürger-Interessen-Gemeinschaft Lindenhof e. V. und Ansprechpartner des Tiny Forest Lindenhof, über die Erkenntnisse aus den ersten beiden Jahren gesprochen.
Welche Erkenntnisse konnten aus den ersten beiden Jahren Monitoring gewonnen werden?
„Die wichtigste Erkenntnis ist für mich, dass sich Begrünung lohnt – und dass wir das mittlerweile mit Daten belegen können. Gleichzeitig wächst das Interesse vieler Menschen an den Folgen der städtischen Erwärmung und an der Frage, welchen Beitrag sie selbst leisten können. Das Projekt zeigt außerdem, wie groß das Engagement vieler Bürgerinnen und Bürger ist, die solche Vorhaben unterstützen und oftmals nur darauf warten, dass jemand den ersten Schritt macht. Besonders spannend ist für mich, dass die Daten bereits im dritten Jahr Hinweise darauf liefern, dass der sogenannte Schwammeffekt des Tiny Forests einsetzt und Niederschlagswasser besser im System gehalten werden kann.“
Gab es Ergebnisse oder Entwicklungen, die überrascht haben?
„Ja, durchaus. Überrascht hat mich vor allem, wie schnell der Tiny Forest bereits eine messbare Klimaleistung erbringt. Schon im zweiten Jahr konnten wir Temperaturunterschiede von bis zu 10 °C zwischen dem Tiny Forest und den umliegenden versiegelten Flächen beobachten. Beeindruckend war außerdem, wie rasch sich Insekten, Schmetterlinge und andere Arten angesiedelt haben. Man merkt, wie schnell solche Flächen von der Natur angenommen werden.“
Wie hilfreich waren die Dashboards bei der Pflege und Entwicklung des Tiny Forests?
„Die Dashboards haben uns enorm geholfen, gezielter und effizienter zu bewässern. Gleichzeitig machen sie sichtbar, welchen Einfluss die Begrünung auf Klima und Temperatur hat. Im inzwischen dritten Jahr sehen wir an einzelnen Tagen bereits Temperaturunterschiede von bis zu 15 °C gegenüber den umliegenden versiegelten Flächen. Die Daten helfen uns, die Entwicklung des Tiny Forests besser zu verstehen und fundierte Entscheidungen für seine Pflege zu treffen.“
Welche Lehren lassen sich für zukünftige Tiny-Forest- oder Entsiegelungsprojekte in Mannheim ziehen?
„Die gewonnenen Daten zeigen eindrucksvoll, wie wirksam Begrünungsmaßnahmen bereits nach kurzer Zeit sein können. Gleichzeitig haben sich die Wetterstation und die weitere Sensorik vor Ort als wertvolle Grundlage für die Begleitung und Steuerung eines solchen Projekts erwiesen. Sie liefern belastbare Fakten für zukünftige Entscheidungen. Ebenso wichtig ist jedoch die Resonanz im Quartier: Das große Interesse und die vielen positiven Rückmeldungen zeigen, dass Tiny Forests nicht nur das Stadtklima verbessern, sondern auch das Wohlbefinden und die Aufenthaltsqualität im Quartier stärken.“
Wie verändert ein Tiny Forest sein unmittelbares Umfeld? Welche mikroklimatischen Unterschiede lassen sich gegenüber versiegelten Flächen messen? Und wie können Sensordaten helfen, diese Entwicklung sichtbar zu machen? Diesen Fragen widmet sich seit März 2024 das Reallabor Tiny Forest Lindenhof im Mannheimer Stadtteil Lindenhof.
Der auf den ersten Blick wie eine grüne Insel wirkende Miniwald ist zugleich ein Praxislabor für klimaresiliente Stadtentwicklung. Ein Netzwerk aus Sensoren erfasst kontinuierlich Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Wind sowie Bodenfeuchte und Bodentemperatur, um die Entwicklung des jungen Waldes und seine Auswirkungen auf das lokale Mikroklima wissenschaftlich zu dokumentieren.
Das Mikroklima im Blick
Die Messdaten zeigen, wie der junge Wald mit seiner Umgebung interagiert. Sie machen sichtbar, wie stark Hitzeperioden abgepuffert werden, wie lange Wasser im Boden verfügbar bleibt und welche Unterschiede gegenüber benachbarten versiegelten Flächen entstehen. Damit bilden sie die Grundlage für die wissenschaftliche Begleitung der Standortentwicklung.
Der Hitzetest: Wald gegen Asphalt
Ein für die Bürger*innen einsehbares Dashboard vergleicht die Oberflächen- und Lufttemperaturen im Tiny Forest mit denen benachbarter versiegelter Flächen. Da sich Asphalt und Beton deutlich stärker aufheizen als begrünte Flächen, eignet sich insbesondere die Oberflächentemperatur zur Bewertung städtischer Hitzeinseln. Das Dashboard macht die kühlende Wirkung von Beschattung und Verdunstung anschaulich und liefert belastbare Daten zum klimatischen Nutzen von Entsiegelungs- und Begrünungsmaßnahmen.
Wann braucht der Tiny Forest Wasser?
Gerade in den ersten Jahren benötigt ein Tiny Forest eine gezielte Bewässerung. Hierfür wurde ein Dashboard für die Bürger-Interessen-Gemeinschaft entwickelt, das anhand der Bodenfeuchte in ca. 30 und ca. 60 Zentimetern Tiefe anzeigt, wann eine Bewässerung erforderlich ist.
Während die Messung in 30 Zentimetern Tiefe die aktuelle Wasserversorgung im Wurzelbereich abbildet, zeigt die Messung in 60 Zentimetern, ob auch tiefere Bodenschichten ausreichend mit Feuchtigkeit versorgt sind. Das ist entscheidend für die Entwicklung eines tiefreichenden Wurzelsystems, das den Wald langfristig widerstandsfähiger gegenüber Trockenperioden macht. So kann bedarfsgerecht statt vorsorglich bewässert werden – das spart Wasser und fördert die Entwicklung eines resilienten Waldes.
Zwei Jahre Reallabor: eine erste Bilanz
Wir haben mit Uwe Buckenauer, Vorstandsmitglied der Bürger-Interessen-Gemeinschaft Lindenhof e. V. und Ansprechpartner des Tiny Forest Lindenhof, über die Erkenntnisse aus den ersten beiden Jahren gesprochen.
Welche Erkenntnisse konnten aus den ersten beiden Jahren Monitoring gewonnen werden?
„Die wichtigste Erkenntnis ist für mich, dass sich Begrünung lohnt – und dass wir das mittlerweile mit Daten belegen können. Gleichzeitig wächst das Interesse vieler Menschen an den Folgen der städtischen Erwärmung und an der Frage, welchen Beitrag sie selbst leisten können. Das Projekt zeigt außerdem, wie groß das Engagement vieler Bürgerinnen und Bürger ist, die solche Vorhaben unterstützen und oftmals nur darauf warten, dass jemand den ersten Schritt macht. Besonders spannend ist für mich, dass die Daten bereits im dritten Jahr Hinweise darauf liefern, dass der sogenannte Schwammeffekt des Tiny Forests einsetzt und Niederschlagswasser besser im System gehalten werden kann.“
Gab es Ergebnisse oder Entwicklungen, die überrascht haben?
„Ja, durchaus. Überrascht hat mich vor allem, wie schnell der Tiny Forest bereits eine messbare Klimaleistung erbringt. Schon im zweiten Jahr konnten wir Temperaturunterschiede von bis zu 10 °C zwischen dem Tiny Forest und den umliegenden versiegelten Flächen beobachten. Beeindruckend war außerdem, wie rasch sich Insekten, Schmetterlinge und andere Arten angesiedelt haben. Man merkt, wie schnell solche Flächen von der Natur angenommen werden.“
Wie hilfreich waren die Dashboards bei der Pflege und Entwicklung des Tiny Forests?
„Die Dashboards haben uns enorm geholfen, gezielter und effizienter zu bewässern. Gleichzeitig machen sie sichtbar, welchen Einfluss die Begrünung auf Klima und Temperatur hat. Im inzwischen dritten Jahr sehen wir an einzelnen Tagen bereits Temperaturunterschiede von bis zu 15 °C gegenüber den umliegenden versiegelten Flächen. Die Daten helfen uns, die Entwicklung des Tiny Forests besser zu verstehen und fundierte Entscheidungen für seine Pflege zu treffen.“
Welche Lehren lassen sich für zukünftige Tiny-Forest- oder Entsiegelungsprojekte in Mannheim ziehen?
„Die gewonnenen Daten zeigen eindrucksvoll, wie wirksam Begrünungsmaßnahmen bereits nach kurzer Zeit sein können. Gleichzeitig haben sich die Wetterstation und die weitere Sensorik vor Ort als wertvolle Grundlage für die Begleitung und Steuerung eines solchen Projekts erwiesen. Sie liefern belastbare Fakten für zukünftige Entscheidungen. Ebenso wichtig ist jedoch die Resonanz im Quartier: Das große Interesse und die vielen positiven Rückmeldungen zeigen, dass Tiny Forests nicht nur das Stadtklima verbessern, sondern auch das Wohlbefinden und die Aufenthaltsqualität im Quartier stärken.“



















































