
Anfang März 2026 haben viele Menschen in Mannheim auf die Luftqualitätswerte geschaut und sich gefragt: Ist das noch normal? Werden Grenzwerte überschritten – und woher kommt der Feinstaub eigentlich?
Ein Blick auf die Daten zeigt zunächst einen klaren Trend. Am 2. März lag der PM2,5-Tagesmittelwert an der Messstation Mannheim-Nord bei 14 µg/m³, am verkehrsnahen Friedrichsring bei 25 µg/m³. In den folgenden Tagen stiegen die Werte deutlich an. Bis zum 9. März wurden Tagesmittelwerte zwischen 57 und 67 µg/m³ gemessen.
Ähnliche Entwicklungen gab es nicht nur in Mannheim. Auch in Ludwigshafen, Speyer, Worms und Heidelberg stiegen die Werte stark an. Selbst weit entfernt von größeren Städten zeigte sich dieser Trend: An der Hintergrundstation Hortenkopf im Pfälzerwald erhöhte sich der PM2,5-Wert von zunächst 4 µg/m³ auf 24 µg/m³ am 8. März und schließlich auf 42 µg/m³ am 9. März. Das zeigt: Die Ursache liegt nicht nur in lokalen Emissionen einzelner Städte.
Was bei der Luftqualität überhaupt gemessen wird
Die Luftqualität wird in Deutschland an sogenannten Immissionsmessstationen erfasst, die überwiegend von den Bundesländern und teilweise vom Umweltbundesamt betrieben werden.
In Mannheim befindet sich eine solche Station im Norden der Stadt zwischen Schönau und Sandhofen, bewusst etwas abseits großer Verkehrsstraßen. Eine zweite Station liegt am Friedrichsring, also mitten im Verkehr. Ergänzt werden diese Messungen durch Stationen in Ludwigshafen sowie durch sogenannte Hintergrundstationen in eher unberührten Regionen wie dem Pfälzerwald oder dem Odenwald.
Bei Feinstaub sind vor allem zwei Größen entscheidend: PM10 und PM2,5. PM10 bedeutet, dass die gemessene Staubfraktion zu 50 % aus Partikeln mit einem Durchmesser von 10 µm besteht, während kleinere Partikel stärker und größere schwächer vertreten sind. Das gleiche Prinzip gilt für PM2,5. Gerade diese besonders feinen Partikel sind gesundheitlich relevant, weil sie tief in die Atemwege eindringen und bis in die Bronchien gelangen können.
Welche Grenzwerte gelten
Die Grenzwerte für Feinstaub stammen aus europäischem Recht und sind in Deutschland in der 39. Bundes-Immissionsschutzverordnung umgesetzt. Für PM2,5 gilt derzeit ein Jahresmittelwert von 25 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Das bedeutet: Der Durchschnittswert eines gesamten Jahres darf diese Konzentration nicht überschreiten.
In Zukunft werden die Regeln jedoch deutlich strenger. Ab 2030 soll der zulässige Jahresmittelwert auf 10 µg/m³ sinken. Zusätzlich wird ein Tageswert von 25 µg/m³ eingeführt, der nur noch begrenzt überschritten werden darf.
Der wichtigste Faktor: die Wetterlage
Der starke Anstieg der Feinstaubwerte Anfang März hatte vor allem meteorologische Gründe. Seit dem 24. Februar fiel praktisch kein Regen mehr. Felder, Wege und Straßen trockneten vollständig ab, sodass Staub nicht mehr gebunden war und leichter aufgewirbelt werden konnte.
Entscheidend war jedoch eine stabile Hochdrucklage, die sich ab dem 2. März einstellte. Sie brachte kaum Wind und führte nachts regelmäßig zu einer sogenannten Inversionswetterlage. Dabei sind die unteren Luftschichten kälter als die darüberliegenden. Diese Situation wirkt wie ein Deckel über der Region: Luftaustausch findet kaum statt, und Schadstoffe können sich in Bodennähe anreichern. Gerade in der Oberrheinebene tritt dieses Phänomen im Winterhalbjahr bei wolkenarmen Hochdrucklagen relativ häufig auf.
Woraus Feinstaub besteht
Feinstaub ist kein einheitlicher Stoff, sondern eine Mischung aus verschiedenen Komponenten. Im Durchschnitt setzt sich PM2,5 etwa aus folgenden Anteilen zusammen:
- 40–70 % sekundäre anorganische Aerosole, die aus chemischen Reaktionen von Emissionen aus Verkehr, Industrie und Landwirtschaft entstehen
- 15–35 % Kohlenstoffpartikel, etwa aus Hausbrand, Dieselruß oder biogenen Oxidationsprozessen
- 5–20 % Mineralstaub, zum Beispiel Bodenstaub oder weit transportierte Partikel
- Metalle, etwa aus Brems- und Abriebvorgängen
- natürliche Komponenten wie Pollenfragmente
Bei bestimmten Wetterlagen kann sich diese Zusammensetzung jedoch deutlich verschieben – so auch Anfang März 2026.
Verkehr, Heizung und Landwirtschaft
In Städten spielen insbesondere verkehrsbedingte Emissionen eine wichtige Rolle. Dazu gehören nicht nur Dieselabgase und Rußpartikel, sondern auch Brems- und Reifenabrieb sowie aufgewirbelter Straßenstaub. Letzterer entsteht vor allem dann, wenn Straßen nach längerer Trockenheit staubig sind. Dieser Effekt würde selbst bei vollständig elektrifizierten Fahrzeugflotten weiterhin auftreten.
Auch die Landwirtschaft trägt indirekt zur Feinstaubbildung bei. Ammoniak-Emissionen aus der Tierhaltung reagieren in der Atmosphäre mit Stickoxiden aus dem Verkehr und bilden zusätzliche Feinstaubpartikel. Pollen spielen dagegen meist nur eine untergeordnete Rolle. Sie sind in der Regel größer als 10 Mikrometer und zählen daher eher zur PM10-Fraktion. Bei trockenen Bedingungen können sie jedoch zerfallen und in kleinerer Form ebenfalls einen Beitrag leisten.
Und welche Rolle spielt Saharastaub?
Saharastaub wird meist in Höhen von zwei bis fünf Kilometern transportiert. Ob er die Feinstaubwerte am Boden beeinflusst, hängt stark davon ab, wie gut sich die Luft vertikal durchmischt.
Während der Inversionslage Anfang März war diese Durchmischung jedoch stark eingeschränkt. Der Saharastaub war deshalb zwar optisch in höheren Luftschichten sichtbar, sein Einfluss auf die gemessenen PM2,5-Werte am Boden blieb jedoch begrenzt. Deutlich erkennbar wird Saharastaub meist erst bei Regen. Dann werden die Partikel aus der Atmosphäre ausgewaschen – und hinterlassen die bekannten rötlichen Spuren auf Autos, Fenstern und Terrassen.
Bild unten: Immissionsmessstationen Umweltbundesamt; Friedrichsring Mannheim

Anfang März 2026 haben viele Menschen in Mannheim auf die Luftqualitätswerte geschaut und sich gefragt: Ist das noch normal? Werden Grenzwerte überschritten – und woher kommt der Feinstaub eigentlich?
Ein Blick auf die Daten zeigt zunächst einen klaren Trend. Am 2. März lag der PM2,5-Tagesmittelwert an der Messstation Mannheim-Nord bei 14 µg/m³, am verkehrsnahen Friedrichsring bei 25 µg/m³. In den folgenden Tagen stiegen die Werte deutlich an. Bis zum 9. März wurden Tagesmittelwerte zwischen 57 und 67 µg/m³ gemessen.
Ähnliche Entwicklungen gab es nicht nur in Mannheim. Auch in Ludwigshafen, Speyer, Worms und Heidelberg stiegen die Werte stark an. Selbst weit entfernt von größeren Städten zeigte sich dieser Trend: An der Hintergrundstation Hortenkopf im Pfälzerwald erhöhte sich der PM2,5-Wert von zunächst 4 µg/m³ auf 24 µg/m³ am 8. März und schließlich auf 42 µg/m³ am 9. März. Das zeigt: Die Ursache liegt nicht nur in lokalen Emissionen einzelner Städte.
Was bei der Luftqualität überhaupt gemessen wird
Die Luftqualität wird in Deutschland an sogenannten Immissionsmessstationen erfasst, die überwiegend von den Bundesländern und teilweise vom Umweltbundesamt betrieben werden.
In Mannheim befindet sich eine solche Station im Norden der Stadt zwischen Schönau und Sandhofen, bewusst etwas abseits großer Verkehrsstraßen. Eine zweite Station liegt am Friedrichsring, also mitten im Verkehr. Ergänzt werden diese Messungen durch Stationen in Ludwigshafen sowie durch sogenannte Hintergrundstationen in eher unberührten Regionen wie dem Pfälzerwald oder dem Odenwald.
Bei Feinstaub sind vor allem zwei Größen entscheidend: PM10 und PM2,5. PM10 bedeutet, dass die gemessene Staubfraktion zu 50 % aus Partikeln mit einem Durchmesser von 10 µm besteht, während kleinere Partikel stärker und größere schwächer vertreten sind. Das gleiche Prinzip gilt für PM2,5. Gerade diese besonders feinen Partikel sind gesundheitlich relevant, weil sie tief in die Atemwege eindringen und bis in die Bronchien gelangen können.
Welche Grenzwerte gelten
Die Grenzwerte für Feinstaub stammen aus europäischem Recht und sind in Deutschland in der 39. Bundes-Immissionsschutzverordnung umgesetzt. Für PM2,5 gilt derzeit ein Jahresmittelwert von 25 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Das bedeutet: Der Durchschnittswert eines gesamten Jahres darf diese Konzentration nicht überschreiten.
In Zukunft werden die Regeln jedoch deutlich strenger. Ab 2030 soll der zulässige Jahresmittelwert auf 10 µg/m³ sinken. Zusätzlich wird ein Tageswert von 25 µg/m³ eingeführt, der nur noch begrenzt überschritten werden darf.
Der wichtigste Faktor: die Wetterlage
Der starke Anstieg der Feinstaubwerte Anfang März hatte vor allem meteorologische Gründe. Seit dem 24. Februar fiel praktisch kein Regen mehr. Felder, Wege und Straßen trockneten vollständig ab, sodass Staub nicht mehr gebunden war und leichter aufgewirbelt werden konnte.
Entscheidend war jedoch eine stabile Hochdrucklage, die sich ab dem 2. März einstellte. Sie brachte kaum Wind und führte nachts regelmäßig zu einer sogenannten Inversionswetterlage. Dabei sind die unteren Luftschichten kälter als die darüberliegenden. Diese Situation wirkt wie ein Deckel über der Region: Luftaustausch findet kaum statt, und Schadstoffe können sich in Bodennähe anreichern. Gerade in der Oberrheinebene tritt dieses Phänomen im Winterhalbjahr bei wolkenarmen Hochdrucklagen relativ häufig auf.
Woraus Feinstaub besteht
Feinstaub ist kein einheitlicher Stoff, sondern eine Mischung aus verschiedenen Komponenten. Im Durchschnitt setzt sich PM2,5 etwa aus folgenden Anteilen zusammen:
- 40–70 % sekundäre anorganische Aerosole, die aus chemischen Reaktionen von Emissionen aus Verkehr, Industrie und Landwirtschaft entstehen
- 15–35 % Kohlenstoffpartikel, etwa aus Hausbrand, Dieselruß oder biogenen Oxidationsprozessen
- 5–20 % Mineralstaub, zum Beispiel Bodenstaub oder weit transportierte Partikel
- Metalle, etwa aus Brems- und Abriebvorgängen
- natürliche Komponenten wie Pollenfragmente
Bei bestimmten Wetterlagen kann sich diese Zusammensetzung jedoch deutlich verschieben – so auch Anfang März 2026.
Verkehr, Heizung und Landwirtschaft
In Städten spielen insbesondere verkehrsbedingte Emissionen eine wichtige Rolle. Dazu gehören nicht nur Dieselabgase und Rußpartikel, sondern auch Brems- und Reifenabrieb sowie aufgewirbelter Straßenstaub. Letzterer entsteht vor allem dann, wenn Straßen nach längerer Trockenheit staubig sind. Dieser Effekt würde selbst bei vollständig elektrifizierten Fahrzeugflotten weiterhin auftreten.
Auch die Landwirtschaft trägt indirekt zur Feinstaubbildung bei. Ammoniak-Emissionen aus der Tierhaltung reagieren in der Atmosphäre mit Stickoxiden aus dem Verkehr und bilden zusätzliche Feinstaubpartikel. Pollen spielen dagegen meist nur eine untergeordnete Rolle. Sie sind in der Regel größer als 10 Mikrometer und zählen daher eher zur PM10-Fraktion. Bei trockenen Bedingungen können sie jedoch zerfallen und in kleinerer Form ebenfalls einen Beitrag leisten.
Und welche Rolle spielt Saharastaub?
Saharastaub wird meist in Höhen von zwei bis fünf Kilometern transportiert. Ob er die Feinstaubwerte am Boden beeinflusst, hängt stark davon ab, wie gut sich die Luft vertikal durchmischt.
Während der Inversionslage Anfang März war diese Durchmischung jedoch stark eingeschränkt. Der Saharastaub war deshalb zwar optisch in höheren Luftschichten sichtbar, sein Einfluss auf die gemessenen PM2,5-Werte am Boden blieb jedoch begrenzt. Deutlich erkennbar wird Saharastaub meist erst bei Regen. Dann werden die Partikel aus der Atmosphäre ausgewaschen – und hinterlassen die bekannten rötlichen Spuren auf Autos, Fenstern und Terrassen.
Bild unten: Immissionsmessstationen Umweltbundesamt; Friedrichsring Mannheim











































