Stadt Mannheim erprobt digitale Erfassung der Sauberkeit im öffentlichen Raum
Ob wilde Müllablagerungen oder achtlos weggeworfener Kleinabfall – Verschmutzungen im öffentlichen Raum beeinträchtigen das Stadtbild in Mannheim spürbar. Sie mindern die Aufenthaltsqualität, versperren Wege und stellen die Stadtreinigung und Abfallwirtschaft vor große Herausforderungen.
Ziel dieses neuen, vom Stadtraumservice und der Smart City Mannheim durchgeführten Pilotprojekts ist es, mithilfe optischer Sensoren auf kommunalen Fahrzeugen automatisiert Daten zur Sauberkeit im öffentlichen Raum zu erfassen. Die gewonnenen Informationen sollen künftig eine verlässliche Grundlage für die Einsatzplanung der Stadtreinigung und strategische Entscheidungen bilden.
Informationspflicht gemäß DSGVO Artikel 13
Informationen zum Datenschutz für das Pilotprojekt zur kameragestützten Sauberkeitsermittlung mit den Systemen Datafleet und Cortexia gemäß Artikel 13 der Datenschutz‑Grundverordnung (DSGVO)
1. Anlass und Gegenstand der Verarbeitung
Zur Wahrung der Sauberkeit auf Straßen und Gehwegen sowie der Verkehrssicherheit sind auf den gekennzeichneten Fahrzeugen Videokameras installiert. Die im System „Datafleet“ eingesetzte Kamera erfasst während der Fahrt den öffentlichen Straßenraum und identifiziert dabei objektbezogene Merkmale wie illegale Ablagerungen, Verschmutzungen, Graffiti oder beschädigte bzw. verschmutzte Verkehrszeichen.
Die Kamera des Systems „Cortexia“ ist auf Fahrbahn und Gehweg ausgerichtet und erkennt kleinteilige Verschmutzungen. Die erfassten Informationen werden automatisiert zu einem Sauberkeitsindex verarbeitet.
2. Kontaktdaten des Verantwortlichen
Stadt Mannheim
Eigenbetrieb Stadtraumservice Mannheim
Käfertaler Straße 248 | 68167 Mannheim
E-Mail: stadtraumservice@mannheim.deMKB Mannheimer Kommunalbeteiligungen GmbH
Landteilstraße 33 | 68163 Mannheim
E-Mail: info@smartmannheim.de3. Kontaktdaten des Datenschutzbeauftragten
Stadt Mannheim
Rechtsamt – Beauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit
E 4, 10 | 68159 Mannheim
E-Mail: datenschutz@mannheim.deMKB Mannheimer Kommunalbeteiligungen GmbH
Landteilstraße 33 | 68163 Mannheim
E-Mail: marcus.geithe@mannheim.de4. Kategorien und Herkunft der personenbezogenen Daten sowie Umfang, Zwecke und Rechtsgrundlagen der Datenverarbeitung
Die Videoüberwachung dient ausschließlich der Erfassung von Bildaufnahmen öffentlicher Verkehrsflächen. Die Datenverarbeitung erfolgt gemäß Art. 6 Abs. 1 lit. e DSGVO in Verbindung mit § 4 LDSG BW sowie der Kreislaufwirtschafts- und Gebührensatzung vom 01.01.2025, § 1 Abs. 5 (Modellversuche). Anbieter REMONDIS Digital Service GmbH bestätigt, dass die Geräte „mit speziellen Kameras automatisiert, datenschutzkonform und bedarfsgerecht Informationen zu verschmutzten Verkehrsschildern, illegalen Abfallablagerungen oder überlaufende Papierkörbe“ erfassen.
DATAFLEET nutzt optische Sensorik in Verbindung mit Künstlicher Intelligenz. Es ein autarkes System, bei dem ein Eingreifen des Fahrers oder der Fahrerin nicht notwendig ist. Kameras in den Entsorgungsfahrzeugen erfassen dabei Bilder aus dem Straßenumfeld. Diese Daten werden anschließend kodiert und in eine Cloud-Datenbank übertragen. DATAFLEET verknüpft die Bilddaten des jeweiligen Standortes mit einer Straßenkarte. Die von der Telekom-Tochter T-Systems entwickelte grafische Benutzeroberfläche zeigt alle wichtigen Informationen auf einen Blick an. Die Daten stellt REMONDIS Städten und Kommunen zur Verfügung. Deren Mitarbeitende greifen online darauf zu und können nun notwendige Reinigungen und Beräumungen besser planen. Das spart nicht nur Zeit und Kosten, sondern entlastet auch die Umwelt. Ein System besteht aus einer für Fahrzeuge zertifizierte hochauflösende Kamera und aus einer CORTEXIA-Box, die sich innerhalb oder außerhalb eines Fahrzeugs (in der Regel Kehrmaschinen oder Müllautos) befindet.
Die CORTEXIA-Box enthält künstliche Intelligenz-Algorithmen für die Bilderkennung, GPS und das LTE-Datenübertragungssystem. Es enthält auch die Qualitätssicherungs- und Überwachungsprozesse für das ordnungsgemäße Funktionieren des Systems. Betriebsdaten werden von der CORTEXIA-Box per Telefon an sichere Server in Europa übertragen. Diese Server ermöglichen die Verarbeitung und Speicherung von Daten, auf die über eine Weboberfläche zugegriffen werden kann. Das CORTEXIA-System erstellt oder speichert keinerlei Aufnahmen.
REMONDIS stellt die aufbereiteten Informationen den Kommunen bereit. Mitarbeitende können darüber Reinigungs‑ und Beräumungseinsätze planen. Personenbezogene Daten werden nicht gezielt erhoben; zufällige Erfassungen werden nicht ausgewertet.
Die Systeme werden zunächst für eine viermonatige Testphase installiert, um ihre grundsätzliche Eignung zur zuverlässigen Erkennung von Verschmutzungen zu prüfen. Bewähren sie sich, folgt eine zwölfmonatige zweite Phase, in der der praktische Nutzen der gewonnenen Daten für den laufenden Betrieb bewertet wird.
5. Speicherung der personenbezogenen Daten
Personenbezogenen Daten werden nicht gespeichert.6. Betroffenenrechte
Nach der Datenschutzgrundverordnung stehen Ihnen als betroffene Person folgende Rechte zu: Werden Ihre personenbezogenen Daten verarbeitet, so haben Sie das Recht Auskunft über die zu Ihrer Person gespeicherten Daten zu erhalten (Artikel 15 DSGVO). Sollten unrichtige personenbezogene Daten verarbeitet werden, steht Ihnen ein Recht auf Berichtigung zu (Artikel 16 DSGVO).
Liegen die gesetzlichen Voraussetzungen vor, so können Sie die Löschung oder Einschränkung der Verarbeitung verlangen sowie Widerspruch gegen die Verarbeitung einlegen (Artikel 17, 18 und 21 DSGVO). Wenn Sie in die Datenverarbeitung eingewilligt haben oder ein Vertrag zur Datenverarbeitung besteht und die Datenverarbeitung mithilfe automatisierter Verfahren durchgeführt wird, steht Ihnen gegebenenfalls ein Recht auf Datenübertragbarkeit zu (Artikel 20 DSGVO). Sollten Sie von Ihren vorgenannten Rechten Gebrauch machen, prüft der Verantwortliche, ob die gesetzlichen Voraussetzungen hierfür erfüllt sind.
Jede betroffene Person hat das Recht auf Beschwerde bei der Aufsichtsbehörde, wenn sie der Ansicht ist, dass ihre personenbezogenen Daten rechtswidrig verarbeitet werden, wie z.B. bei dem für uns zuständigen Landesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit Baden-Württemberg:
Landesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit Baden-Württemberg
Postfach 10 29 32 70025 Stuttgart
Telefon: 0711/6155410
E-Mail: poststelle@lfdi.bwl.de
Im Folgenden haben wir die wesentlichen Informationen zusammengefasst.
Warum wird das Projekt durchgeführt?
Verschmutzungen wie illegale Müllablagerungen und Littering beeinträchtigen das Stadtbild, die Aufenthaltsqualität und die Nutzbarkeit öffentlicher Wege. Gleichzeitig steigt der Aufwand für die Stadtreinigung und Abfallwirtschaft.
Ziel des Pilotprojekts ist es, die Sauberkeit im öffentlichen Raum objektiver und flächendeckender zu erfassen, um Reinigungsmaßnahmen künftig gezielter, effizienter und datenbasiert planen zu können – im Sinne von Politik, Verwaltung und Bürgerschaft.
Wer sind die Projektbeteiligten?
Auftraggeber: Stadtraumservice Mannheim und MKB Mannheimer Kommunalbeteiligungen GmbH mit ihrer Tochtergesellschaft Smart City Mannheim GmbH
Umsetzende Unternehmen: Remondis Digital Service GmbH und Tochterunternehmen Cortexia SA
Was wird erfasst?
Erfasst werden unterschiedliche Arten von Abfällen im öffentlichen Raum – von großflächigen Ablagerungen bis hin zu kleinteiligem Littering (z. B. Zigarettenkippen, Verpackungen, Glas-, Plastik- und Papierabfälle).
Dazu werden zwei Arten von Kamerasystemen verwendet. „Datafleet“ sitzt hinter der Windschutzscheibe und sieht die Straßen aus der Fahrerperspektive. Die Kamera erkennt Sperrmüllhaufen und verklebte Verkehrszeichen. Es werden insgesamt fünf dieser Kamerasysteme eingesetzt.
„Cortexia“ ist außen an der Fahrerkabine montiert und erfasst den Bereich von Straße und Gehweg. Das System erkennt kleinteilige Verschmutzungen und achtlos entsorgten Abfall (Littering). Abhängig von Art und Umfang der erkannten Verschmutzungen wird anschließend ein Sauberkeitsgrad für die jeweilige Straße ermittelt. Besonders stark verschmutzte Straßen erhalten eine entsprechend schlechte Bewertung. Auf dieser Grundlage können Reinigungsmaßnahmen künftig gezielt verstärkt werden. Insgesamt werden zwei dieser Kamerasysteme eingesetzt.
Wie wird erfasst?
Die Kamera ist mit einer Recheneinheit im Fahrzeug verbunden. Diese analysiert die Bilder auf Verschmutzungen. Erkennt die Kamera eine Verschmutzung, werden Ort, Zeitpunkt und Art der Verschmutzung gespeichert. Diese Metadaten werden anschließend übertragen.
Bei „Datafleet“ wird darüber hinaus ein Bild übertragen. Das ist notwendig, damit die Abfallwirtschaft die Größe des Sperrmüllhaufens abschätzen und die Abholung planen kann. Dieses Bild wird bereits auf der Recheneinheit auf Kennzeichen und Gesichter untersucht. Sollten sich diese personenbezogenen Daten auf dem Bild befinden, werden sie verpixelt. Erst im verpixelten Zustand wird das Bild übertragen.
Wo wird erfasst?
Es werden fünf Abfallsammelfahrzeuge und eine Kehrmaschine mit den Systemen ausgestattet. Dabei handelt es sich um folgende Fahrzeuge und Routen:
- Restmüllleerung Innenstadt (Datafleet und Cortexia)
- Papierleerung Innenstadt (Datafleet)
- Restmüllleerung Waldhof (Datafleet)
- Sperrmüllfahrzeug stadtweit im Einsatz (Datafleet)
- Bioleerung stadtweit im Einsatz (Datafleet)
- Kehrmaschine Planken und Bahnhofsvorplatz (Cortexia)
Mit dieser Verteilung wird zum einen hohe Wiederholungen der Messung in der Innenstadt erzielt. Zum anderen kann so in allen Stadtteilen geprüft werden, ob die Systeme praxistauglich sind.
Wo werden die Daten gespeichert und ausgewertet?
Die Bilddaten werden auf der Recheneinheit auf dem Fahrzeug aufgenommen, ausgewertet, Personen und Kennzeichen verpixelt und anschließend unmittelbar gelöscht. Es werden keine Bilddaten zum Training der KI übertragen. Die Daten werden an die Datenplattform der Remondis Digital Service GmbH bzw. Cortexia SA übertragen. Aufbereitete Ergebnisse werden dem Stadtraumservice für Analysen und Einsatzplanung zur Verfügung gestellt.
Wie werden die Daten genutzt?
Die Daten helfen, stark verschmutzte Bereiche zu erkennen, Entwicklungen über längere Zeiträume zu beobachten und Reinigungseinsätze besser zu planen. Die Sensorik ergänzt die bestehende manuelle Qualitätserfassung und verbessert die Datengrundlage für operative und strategische Entscheidungen.
Wie laufen die Pilotphasen ab?
- Pilotphase 1 (ca. 4 Monate – Techniktest):
Prüfung, ob unterschiedliche Arten von Abfällen durch die Sensorik zuverlässig erkannt werden können. - Pilotphase 2 (ca. 12 Monate – Praxistest, bei erfolgreicher Phase 1):
Erprobung, wie die gewonnenen Daten in die tägliche Einsatzplanung und Arbeitsorganisation integriert werden können (z. B. Routenoptimierung, gezielter Ressourceneinsatz).
- Pilotphase 1 (ca. 4 Monate – Techniktest):
Werden die Daten zur Ahndung von Ordnungswidrigkeiten oder Straftaten genutzt?
Die Daten können Hinweise auf besonders belastete Bereiche liefern und zur gezielten Kontrolle durch die Stadtsauberkeitsermittler*innen beitragen.
Können Bürger*innen illegale Müllablagerungen melden?
Ja. Hinweise können z.B. über die zentrale Behördennummer 115 gemeldet werden oder über den Mängelmelder Mannheim.
Abgrenzung zum Projekt ScanCars
Bei dem Projekt „ScanCars“ handelt es sich um ein eigenständiges und organisatorisch vollständig getrenntes Vorhaben. Verantwortlichkeiten, eingesetzte Fahrzeuge sowie Zielsetzungen unterscheiden sich grundlegend: Das Projekt ScanCars in Mannheim ist ein pilotiertes Verkehrsüberwachungs- und Sicherheitssystem, bei dem spezialisierte Fahrzeuge – sogenannte Scan-Fahrzeuge oder ScanCars – eingesetzt werden, um Falschparker automatisiert zu erfassen und so die Verkehrssicherheit im öffentlichen Raum zu verbessern. Dieses Projekt wurde im Rahmen eines Modellversuchs des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg durch den Fachbereich Sicherheit und Ordnung durchgeführt.
Haben Sie weitere Fragen?
Dann schreiben Sie uns bitte an:
info@smartmannheim.de